Die Vogelwelt der Wachau - eine Auswahl

Die Wachau ist nicht nur ein bekanntes Weinbaugebiet internationalen Formats, sondern - viel weniger bekannt - auch ein bedeutendes und wichtiges Gebiet für das Vorkommen zahlreicher, vor allem auch spezialisierter, Vogelarten. Die Region ist eine von 58 Important Bird Areas in Österreich. Einige für die Wachau besonders charakteristische Vogelarten sollen hier kurz in Wort und Bild vorgestellt werden.

Ein Bienenfresser mit seiner Beute im Schnabel © BirdLife/P.Buchner

Bienenfresser - Merops apiaster

Der Bienenfresser ist ein Zugvogel, der etwa von Anfang Mai bis Ende August in der Wachau zu beobachten ist. Sein buntes Federkleid und der auffällige Ruf „prüt“ machen ihn zu einer Besonderheit. Als Brutplätze in der Wachau werden zumeist Lösswände genutzt. Wie der Name schon sagt, ernährt er sich überwiegend von Insekten, wenngleich natürlich nicht nur von Bienen. Erfreulicherweise hat er in den letzten Jahren wieder geeignete Brutplätze in der Wachau bezogen. Die weitere Entwicklung wird mit Spannung beobachtet.

Die Dorngrasmücke hält sich meist versteckt © BirdLife/P.Buchner

Dorngrasmücke - Sylvia communis

Wie alle Grasmückenarten ist auch die Dorngrasmücke eine eher versteckt lebende Vogelart, die hauptsächlich durch ihren kratzigen Gesang auffällt. Vor allem in weniger genutzten Bereichen z.B. von Weingärten oder an Waldrändern kann man diese Vogelart antreffen. Der Name Grasmücke kommt aus dem Althochdeutschen und hat mit einer Mücke natürlich nichts zu tun. Die Färbung der meisten Grasmücken ist mehr oder weniger graubraun.

Der Eisvogel hat eine charakteristische blau-orange Färbung © BirdLife/P. Buchner

Eisvogel - Alcedo atthis

Der Eisvogel ist wie kaum ein anderer heimischer Vogel in der Färbung unverkennbar. Zu Gesicht bekommt man ihn trotzdem nur selten, eher hört man seinen hohen, durchdringenden Ruf. Er bewohnt fischreiche Gewässer, in der Wachau ist das Vorkommen aktuell auf die auwaldähnlichen Bereiche der Donau konzentriert. Zum Brüten werden Steilufer genutzt, wo der etwa sperlingsgroße Vogel seine Brutröhre gräbt.

Der meist gut getarnte Flussregenpfeiffer © BirdLife/P. Buchner

Flussregenpfeifer - Charadrius dubius

Einer der wenigen Watvogelarten der Wachau ist der Flussregenpfeifer. Hier bewohnt er Kiesflächen an oder nahe der Donau. Er ist sehr schwer zu entdecken, da er sich nur wenig vom Untergrund abhebt. Sein Nest, das er in einer Nistmulde am Boden errichtet, ist gut getarnt. Die Eier ähneln optisch den Kieselsteinen und sind daher sehr schwer zu finden.

Der in der Wachau mittlerweile seltene Flussuferläufer © BirdLife/P. Buchner

Flussuferläufer - Actitis hypoleucos

Gemeinsam mit dem Flussregenpfeifer ist der Flussuferläufer die zweite donaubewohnende Limikolenart. Limikolen (oder Watvögel) sind sehr oft wassergebundene Vogelarten, die meist in der Nähe von Wasserflächen brüten. Beide Arten sind durch die starke Regulierung der Donau inzwischen recht selten geworden.

Der schimmernde Kopf des männlichen Gänsesängers © BirdLife/H. Lauermann

Gänsesäger - Mergus merganser

Der Gänsesäger ist eine Entenart, die sich vor allem von Fischen ernährt. Obwohl meist deutlich größer als die Stockente, sind die Vögel nicht leicht zu sehen, da sie recht scheu sind. Männchen und Weibchen sind unterschiedlich gefärbt. Der dunkelgrün schimmernde Kopf des Männchens ist im Kontrast zum bräunlichen Kopf des Weibchens vor allem aus der Nähe sehr beeindruckend.

Die Heidelerche ist nur in intakten Lebensräumen zu finden © BirdLife/W. Schweighofer

Heidelerche - Lullula arborea

Die Heidelerche ist eine der Charakterarten der Wachauer Weinrieden und ihr wohltönender Gesang ist meist schon zeitig im Frühling zu hören. Als eine unserer drei heimischen Lerchenarten ist die Heidelerche ein Spezialist der offenen, trockenrasenartigen Flächen. Die Weingärten – speziell die terrassierten Hänge – sind in der Wachau der bevorzugte Lebensraum, wenngleich die Heidelerche hier nur selten in hoher Dichte vorzufinden ist. Die Heidelerche ist nur in intakten Lebensräumen zu finden, weshalb sie eine Art Qualitätszeiger unter den Vogelarten ist.

Der Mittelspecht bervorzugt wärmebegünstigte Eichenwälder © BirdLife/P. Buchner

Mittelspecht - Dendrocopos medius

Der Mittelspecht ist eine eher unscheinbare Spechtart, die in der Wachau hauptsächlich wärmebegünstigte Eichenwälder bewohnt. Er fällt weniger durch sein Klopfen auf (der Schnabel ist auch wesentlich schwächer als bei anderen Spechtarten) als vielmehr durch seine nasal quäkenden Rufe. Im Vergleich zum viel häufigeren Buntspecht ist er nur in wenigen geeigneten Gebieten zahlreicher anzutreffen, wie etwa oberhalb von St. Michael im naturnahen Eichen-Mischwald.

Der Neuntöter frisst auch kleine Mäuse © BirdLife/P.Buchner

Neuntöter - Lanius collurio

Der Neuntöter ist ein insektenfressender Singvogel und der kleinste Würger Europas. Zu seiner Beute zählen außerdem kleine Mäuse und Amphibien. Er ist vor allem auf das Vorkommen von dornigen Gebüsch angewiesen, wo er seine Beute gerne aufspießt. Dies dient ihm als Vorratskammer. In der Wachau gibt es nur wenige Paare, die bevorzugt in Trockenrasen oder trockenrasenähnlichen Gebieten brüten.

Das zitronengelbe Federkleid des Pirols © BirdLife/P.Buchner

Pirol - Oriolus oriolus

Kaum eine heimische Vogelart ist so kräftig gefärbt wie der Pirol, wo das Männchen strahlend zitronengelb leuchtet. So auffällig diese Vogelart zu sein scheint, so gut versteckt sie sich meist in den Kronen von Bäumen und ist vielfach nur durch den wohltönenden Ruf auffindbar.

Das Schwarzkehlchen hat gerne den Überblick © BirdLife/P. Buchner

Schwarzkehlchen - Saxicola rubetra

Nur einige wenige Paare des Schwarzkehlchens findet man in der Wachau, es ist dies eine der seltensten Vogelarten, aber auch eine der hübschesten. Gerne sitzt das männliche Schwarzkehlchen auf Warten, wo es sein kratzendes Lied vorträgt. Als Zugvogel ist er nur in der warmen Jahreszeit (etwa März bis Oktober) bei uns zu beobachten.

Der Schwarzstorch hat sein Nest auf alten Laubbäumen © BirdLife/P. Buchner

Schwarzstorch - Ciconia nigra

Von unseren beiden heimischen Storcharten ist der Schwarzstorch der scheuere und seltenere Waldbewohner. Man sieht ihn meist nur kreisend über den waldigen Hängen beiderseits der Donau. Von der Ferne sehen sich die beide Arten recht ähnlich, der Schwarzstorch weist aber bei näherer Betrachtung wesentlich mehr namensgebende Schwarzanteile im Gefieder auf. Die Brut ist oft unbemerkt im Wald, meist auf großen alten Laubbäumen, die Horste werden meist über Jahre benutzt.

Die Turteltaube hält sich an Waldrändern und in Gebüschen auf © BirdLife/H. Lauermann

Turteltaube - Streptopelia turtur

Von unseren fünf heimischen Taubenarten ist die Turteltaube die unauffälligste, nur durch den Gesang, ein Gurren („Turteln“), kann man sie meist entdecken oder orten. Als wärmeliebende Art kommt sie in der Wachau vergleichsweise häufig vor. Die viel häufigere Türkentaube schaut ihr auf den ersten Blick sehr ähnlich, ist aber meist in Dorfnähe zu beobachten, während die Turteltaube in wärmebegünstigten Waldrändern und Gebüschen zu finden ist.

Der Uhu ist die größte heimische Eule © BirdLife/P. Buchner

Uhu - Bubo bubo

Unsere größte heimische Eule ist in der Wachau, bedingt durch die vielen Felswände, vergleichsweise häufig. Schon zur Abenddämmerung kann man den namensgebenden Ruf vielfach wahrnehmen, zu Gesicht bekommen wird man diese knapp adlergroße Eule aber nur selten. Die Felswände dienen nicht nur als akustisch optimale Singwarte sondern auch als Brutplatz.

Der Waldlaubsänger ist einer von vier heimischen Laubsängern © BirdLife/P. Buchner

Waldlaubsänger - Phylloscopus sibilatrix

Alle vier heimischen Laubsängerarten kommen in der Wachau vor, der Waldlaubsänger ist stellenweise vergleichsweise häufig. Zu sehen bekommt man den Waldlaubsänger nur selten, zu erkennen ist er hauptsächlich an seinem schnurrenden Gesang, der an eine schneller werdende Nähmaschine erinnert. Den Gesang kann man hauptsächlich im Mai und Juni hören, danach ist er meist relativ unauffällig.  In Laub- und Laubmischwäldern ist sein bevorzugter Lebensraum.

Der Wanderfalke ist das Symbol für den Wachauer Federspiel Wein © BirdLife/P. Buchner

Wanderfalke - Falco peregrinus

Der Wanderfalke ist als Symbol für die Federspiel-Weine den meisten bekannt. Viel weniger bekannt ist vermutlich, dass es eine der seltensten Falkenarten Österreichs ist. Glücklicherweise kommen in der Wachau noch einige wenige Wanderfalken vor. Bevorzugt nisten diese auf den steilen Felswänden zu beiden Seiten der Donau. Als Flugjäger, der sich von Vögeln ernährt, erreicht der Wanderfalke im Sturzflug bis weit über 300 km/h.

Wasseramseln sind keine guten Flieger © BirdLife/H. Lauermann

Wasseramsel - Cinclus cinclus

Als Bewohner von sauberen Bächen und Flüssen hat die Wasseramsel in der Wachau zu beiden Seiten der Donau noch recht gute Dichten. Als Anpassung an das Tauchen und Schwimmen sind die Knochen nicht hohl, dadurch wird das Gewicht erhöht, was beim Tauchen Vorteile bringt, beim Fliegen jedoch Nachteile. Wasseramseln sind aus diesem Grund auch keine guten Flieger und meist nur in Gewässernähe zu finden, größere Strecken werden kaum bis selten zurückgelegt.

Der Weißrückenspecht sieht dem Buntspecht sehr ähnlich © BirdLife/W. Schweighofer

Weißrückenspecht - Dendrocopos leucotos

Die seltenste Spechtart Österreichs kommt in wenigen Paaren auch in der Wachau vor und besiedelt hier vor allem die naturnahen Hangwälder zu beiden Seiten der Donau. Als Totholzspezialist findet man den Weißrückenspecht allerdings nur in wenigen, totholzreichen Laubwaldgebieten. Wie die meisten Spechtarten hört man ihn eher, als dass man ihn zu Gesicht bekommt. Das Trommeln ist allerdings relativ unscheinbar und nicht weit zu hören. Er ist dem Buntspecht auf den ersten Blick sehr ähnlich, aber weitaus seltener als dieser.

Der Wendehals ist durch sein Gefieder gut getarnt © BirdLife/P. Buchner

Wendehals - Jynx torquilla

Schon der Name lässt hier einen interessanten Vogel erwarten. Der Wendehals ist unter den heimischen Spechtarten der einzige wirkliche Zugvogel. Wie alle Spechtarten ist er ein Höhlenbrüter, kann diese aber im Gegensatz zu anderen Spechtarten nicht selbst zimmern. Er ernährt sich großteils von Insekten (v.a. Ameisen). Seine gute Tarnung durch das Gefieder macht eine Sichtbeobachtung schwer, der nasale Gesang „kwäkwäkwäkwäkwä“ ist aber relativ weit zu hören.

Das Aussehen des Wiedehopfs ist unverkennbar © BirdLife/P. Buchner

Wiedehopf - Upupa epops

Ein besonders auffälliger Vogel ist der Wiedehopf, sowohl was Gesang als auch das Aussehen betrifft. Als wärmeliebender Insektenfresser hat er in den letzten Jahren einen leichten Aufschwung erlebt, man darf gespannt sein, wie sich das Vorkommen in den nächsten 10-20 Jahren entwickelt. Der Gesang - ein leise flötendes „upupup“ - ist neben dem markanten Aussehen das beste Merkmal zur Bestimmung.

Mit ausreichend Geduld kann man in der Wachau Zippammer beobachten © BirdLife/H. Lauermann

Zippammer - Emberiza cia

Der Zippammer ist die Vogelart mit der man die Wachau vogelkundlich verbindet, kommt doch mindestens ein Drittel aller Zippammer Österreichs hier vor. Der feine, leise Gesang und die eher versteckte Lebensweise machen die Beobachtung zur Herausforderung. Durch die vergleichsweise hohen Dichten in der Wachau (Loibenberg, Teufelsmauer, Spitzer Graben, …), kann man aber mit etwas Geduld das eine oder andere Individuum entdecken.

Ein besonderer Dank gilt Wolfgang Kantner, der die Informationen über die Wachauer Vogelwelt zur Verfügung gestellt hat.